Die Bodenseeregion in historischen Fotografien
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Über 500 historische Fotografien der Bodenseeregion zeigt das Napoleonmuseum Arenenberg in seiner neuen Ausstellung «Was der Kaiser noch sah». Aufgenommen wurden sie in der Zeit zwischen 1860 und ca. 1906. Sie spüren entlang bedeutender Städte und Sehenswürdigkeiten der Region den umfassenden Veränderungen nach, mit denen die Menschen damals auch aufgrund der rasanten technischen Entwicklung konfrontiert waren. Gleichzeitig bringen sie den heutigen Betrachter zum Staunen, denn der Vergleich mit der Jetzt-Zeit zeigt frappierende Konstanten und große Unterschiede zugleich.
Die Bodenseeregion mit vielen ihrer beliebtesten Sehenswürdigkeiten, außerdem Konstanz und der Arenenberg stehen im Mittelpunkt der Ausstellung historischer Fotografien, die bis 20. September 2026 auf dem Arenenberg zu sehen sind. Die Motivauswahl folgt der «Nostalgiereise» des französischen Kaisers Napoleon III. im Jahr 1865 zu den Stätten seiner Kindheit, Jugend und Prinzenjahre am Bodensee. Hier hatte er zusammen mit seiner Mutter, Königin Hortense, nach dem endgültigen Sturz seines Onkels Napoleons I. im Exil gelebt. Schon lange hatte den Kaiser das Heimweh nach dem Bodensee gequält. Die öffentliche Anteilnahme war dann auch enorm. Jubelnd war das Kaiserpaar am Bahnhof Konstanz empfangen worden.

Gottlieben: Blick von Norden auf Schloss, Dorf und die Schifflände. Atelier Wolf, um 1870. Neben Arenenberg und Konstanz ist Gottlieben der wichtigste Anlaufpunkt der kaiserlichen Familie am See. Königin Hortense übernimmt das Schloss 1836 von ihrem Schwager und treibt den Umbau zu einem Palazzo nach venezianischem Vorbild voran. Nach ihrem Tod ein Jahr später setzt Louis Napoléon die Arbeiten fort und setzt einen zusätzlichen Schwerpunkt auf den Garten. 1842 muss der spätere Kaiser die Anlage aus Finanznot verkaufen. Bildnachweis: Stadtarchiv Konstanz, Z1.wolfH75-4921
Zu dieser Zeit hatte auch am Bodensee die Industrialisierung Fahrt aufgenommen. Dampfboote verdrängten Segelschiffe, die Eisenbahn das Pferdefuhrwerk. An vielen Orten entstanden Fabriken. Eine junge Innovation war in dieser Zeit auch das Verfahren der Fotografie. Bevor sie sich durchgesetzt hatte, lag die Abbildung städtebaulicher Situationen in den Händen heimischer Genremaler, die immer wieder ähnliche, dekorativ wirkende Motive variierten. Erst mit dem Aufkommen der Fotografie entstehen umfassende Dokumentationen, die ein verlässliches Bild darüber vermitteln, «was der Kaiser noch sah», als er ein letztes Mal in die Region reiste.
Die historischen Bilder zeigen die Stationen, die der Kaiser und seine Frau während ihres Aufenthaltes ansteuerten. Das beginnt mit der Bahnanreise über Singen, Radolfzell, Allensbach nach Konstanz. Von dort folgt der Bilderreigen der Kutsche des Regenten durch die Stadt durchs Tägermoos nach Ermatingen und auf den Arenenberg. Tags darauf standen die napoleonischen Schlösser am Untersee auf dem Programm. Am dritten Tag ging es aufs Wasser: zur Insel Reichenau, nach Überlingen, zur Insel Mainau, nach Meersburg, Friedrichshafen, Lindau, Rorschach, Arbon und Kreuzlingen.
Für ein zeitgemäßes Ausstellungserlebnis arbeitet die Szenografie auf zwei Ebenen: Etwa 100 Fotos an den Wänden des Ausstellungsraumes bieten die Möglichkeit zu einem Überblick. Unter dem Stichwort „Einst und Jetzt“ werden Veränderungen der Lebenswelt beispielhaft anhand aktueller Vergleichsbilder nachvollzogen. Für tiefer Interessierte stehen fünf digitale Stationen mit Bildschirmen bereit. Rund 400 historische Fotos können hier durchgeblättert werden.
Die Ausstellung findet in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Konstanz statt. Es hütet mit der Sammlung der Hofphotographen Wolf einen ungeheuren Schatz über die Entwicklung und Veränderung rings um den See. Ca. 70 Prozent der gezeigten Bilder stammen aus diesem Fundus und können dank der Großzügigkeit des Stadtarchivs in großer Fülle gezeigt werden.
Weitere Informationen: napoleonmuseum.tg.ch

