{"id":1292,"date":"2013-12-26T08:35:20","date_gmt":"2013-12-26T07:35:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.see-infos.de\/?p=1292"},"modified":"2022-07-30T11:16:57","modified_gmt":"2022-07-30T09:16:57","slug":"die-neuvermessung-des-bodensees-2-bericht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/see-infos.de\/?p=1292","title":{"rendered":"Die Neuvermessung des Bodensees"},"content":{"rendered":"<p><strong>Projekt \u201eTiefensch\u00e4rfe\u201c geht Unterwasserwelt auf den Grund<\/strong><br \/>\nMit hochmoderner Technik wird derzeit der Bodenseegrund neu vermessen und kartiert. Das grenz\u00fcbergreifende, von der EU gef\u00f6rderte Projekt \u201eTiefensch\u00e4rfe &#8211; Hochaufl\u00f6sende Vermessung Bodensee&#8220; wird ein detailgenaues Modell des Seebeckens liefern. Die Datendichte ist dabei um das hundert- bis tausendfache h\u00f6her als beim letzten Aufma\u00df, dessen Ergebnisse 1990 ver\u00f6ffentlicht wurden. Damit leistet es einen wichtigen Beitrag f\u00fcr einen innovativen Gew\u00e4sserschutz.<\/p>\n<p>Im Mai 2012 bef\u00fcrwortete die Internationale Gew\u00e4sserschutzkommission f\u00fcr den Bodensee (IGKB) das Projekt \u201eTiefensch\u00e4rfe &#8211; Hochaufl\u00f6sende Vermessung Bodensee&#8220;. Im November 2012 begannen die Vorbereitungen, im April 2013 ging es an den Start. Eineinhalb Jahre lang wird nun das Becken des drittgr\u00f6\u00dften mitteleurop\u00e4ischen Sees mit F\u00e4cherecholot und Laserscanner von Schiff und Flugzeug aus l\u00fcckenlos vermessen. Bis Mitte 2015 folgt die Auswertung und Zusammenf\u00fchrung der Messergebnisse. Die IGKB und das ausf\u00fchrende Institut f\u00fcr Seenforschung Langenargen (ISF) der Landesanstalt f\u00fcr Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-W\u00fcrttemberg (LUBW) erheben mit dem Projekt eine enorme Datenmenge, die den bisherigen Wissensstand \u00fcber den Seeboden und dort ablaufende Prozesse revolutionieren wird. Die Europ\u00e4ische Union f\u00f6rdert das Vorhaben im Rahmen ihres Regionalprogramms Interreg IV und w\u00fcrdigt das Projekt als Beitrag zum Erhalt der nat\u00fcrlichen Ressourcen und des kulturellen Erbes sowie zum Schutz vor Naturgefahren.<\/p>\n<p><strong>Nur was man kennt, kann man sch\u00fctzen<\/strong><br \/>\nDas Wissen um die genaue Bodentopographie soll in Zukunft helfen, eine Vielzahl wissenschaftlicher und wasserwirtschaftlicher Fragen zu beantworten. Die hochaufl\u00f6senden Grundlagendaten kommen der Wissenschaft ebenso zugute wie der Wasserwirtschaft, den Kommunen und Beh\u00f6rden &#8211; etwa bei der Beurteilung der Planung wasserbaulicher Ma\u00dfnahmen wie Badestege, Versorgungsleitungen oder Einleitungen in das Gew\u00e4sser. Auch f\u00fcr Arch\u00e4ologie, Natur- und Denkmalschutz sowie Schifffahrt und Touristik ist eine genaue Kenntnis des Gew\u00e4sserbodens von hoher Bedeutung. Wenn beispielsweise aufgrund von niedrigen Wasserst\u00e4nden die Wei\u00dfe Flotte nicht mehr \u00fcberall anlegen kann und Ausbaggerungen geplant werden, kann das neue Datenmaterial elementare Informationen \u00fcber die zugrundeliegende Sedimentdynamik liefern. Zus\u00e4tzlich k\u00f6nnen Erkenntnisse auf dem Gebiet der Gefahrenabsch\u00e4tzung erlangt werden, etwa, was die Ausbreitung von Schadstoffen oder Treibholz angeht. Auch Privatleute werden die Daten nutzen k\u00f6nnen. Abenteurer und Schatzsucher jedoch, die auf Hinweise auf Wracks oder andere tief verborgene Geheimnisse am Seeboden hoffen, werden die Forscher entt\u00e4uschen. Sensible Daten werden nicht ver\u00f6ffentlicht. \u201eEs geht uns vor allem um Erkenntnisse im Dienste der Wissenschaft und Wasserwirtschaft. Die Daten sollen vor allem zu einem nachhaltigen, effektiven Gew\u00e4sserschutz beitragen. Denn nur was man kennt, kann man auch entsprechend sch\u00fctzen&#8220;, erkl\u00e4rt Projektkoordinator Dr. Heinz Gerd Schr\u00f6der, Leiter des Instituts f\u00fcr Seenforschung Langenargen. <\/p>\n<p><strong>In den Fu\u00dfstapfen Graf Zeppelins<\/strong><br \/>\nGanz unbekannt ist der Bodensee nat\u00fcrlich nicht: Das Gew\u00e4sser hat eine Fl\u00e4che von 536 Quadratkilometern und ist zwischen Bregenz und Bodman-Ludwigshafen 63 Kilometer lang, zwischen Friedrichshafen und Romanshorn 14 Kilometer breit und misst an seiner tiefsten Stelle zwischen Fischbach und Uttwil 254 Meter. Dieses Wissen verdanken wir unter anderem Ferdinand Graf von Zeppelin, der den Bodensee 1893 zum ersten Mal vermessen hat. Eine weitere Vermessung fand zwischen 1986 und 1990 im Auftrag der Internationalen Gew\u00e4sserschutzkommission f\u00fcr den Bodensee (IGKB) statt. Dabei nahmen die Forscher im Abstand von 200 Metern Echolotprofile auf, erg\u00e4nzten diese mit Orthofotos aus der Flachwasserzone und errechneten auf Grundlage der Daten ein Gel\u00e4ndemodell. Doch seit der letzten Vermessung gab es sowohl in der Vermessungs- als auch in der Computertechnik gravierende Fortschritte, die selbst die hundertj\u00e4hrige Entwicklung zwischen 1893 und 1990 in den Schatten stellen.<\/p>\n<p><strong>Faszinierende Technik<\/strong><br \/>\n\u00c4hnlich wie das hochaufl\u00f6sende digitale Fernsehen geben neue hydroakustische und lasergest\u00fctzte Verfahren spektakul\u00e4r genaue Einblicke in die Unterwassertopographie. Moderne F\u00e4cherecholote und Laserscanner erm\u00f6glichen in ihrer Kombination eine um das hundert- bis tausendfach h\u00f6here Datendichte. Computerleistung und Software von 2013 gestatten ganz neue Darstellungs- und Analysem\u00f6glichkeiten mit enormem Informationsgewinn. Ein F\u00e4cherecholot kommt bei der aktuellen Neuvermessung vor allem in den tieferen Wasserabschnitten an Bord des FS Kormoran zum Einsatz. Simultan werden mehrere hundert vom Seeboden reflektierte Schallsignale vom Computer ausgewertet und zu einem hochaufl\u00f6senden 3D-Modell zusammengesetzt. In den flacheren Zonen erfolgt die Datenerhebung vom Flugzeug aus durch \u201eLIDAR&#8220;, eine dem Radar \u00e4hnliche Abstandsmessmethode, bei der ein gr\u00fcner Laserstrahl den Gew\u00e4sserboden fl\u00e4chendeckend abtastet. Mit diesen innovativen Verfahren lassen sich Unterwasserobjekte, die Flachwasserzone und die unmittelbaren Uferbereiche vermessen. Wenn alles nach Plan l\u00e4uft, kann das Projekt Ende Juni 2015 abgeschlossen werden.<\/p>\n<p><strong>Gemeinsam f\u00fcr den Bodensee<\/strong><br \/>\nKennzeichnend f\u00fcr das Forschungsprojekt \u201eTiefensch\u00e4rfe&#8220; ist auch das gemeinsame Wirken der Projektpartner aus allen an den Bodensee angrenzenden L\u00e4ndern. Entstanden ist die Idee zur Neuvermessung am Institut f\u00fcr Seenforschung in Langenargen (ISF), das sich seit mehr als neunzig Jahren f\u00fcr den Schutz des \u00d6kosystems Bodensee und den vorsorgenden Gew\u00e4sserschutz einsetzt. Das Institut plant und koordiniert das Vorhaben und begleitet es wissenschaftlich. Projekttr\u00e4ger ist die Internationale Gew\u00e4sserschutzkommission f\u00fcr den Bodensee (IGKB), die sich aus Vertretern der L\u00e4nder und Kantone aus Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz f\u00fcr die Reinhaltung des Bodensees engagiert. Partner des Projektes sind die L\u00e4nder, vertreten durch die jeweiligen Vermessungsverwaltungen. Vor Projektbeginn hatte eine internationale Arbeitsgruppe das Projekt auf seine Realisierbarkeit untersucht und den Aufwand sowie Kosten und Nutzen evaluiert. Das Expertenteam unter der Leitung von Dr. Martin Wessels, Geologe am Institut f\u00fcr Seenforschung Langenargen, bestand aus Vertretern der Wasserwirtschaft, der Verwaltungen, der Denkmalpflege, der Wasserwerke und der Wissenschaft aller beteiligten Partner. Mit dem Regionalprogramm Interreg IV tr\u00e4gt die Europ\u00e4ische Union ma\u00dfgeblich zur Finanzierung der Gesamtkosten von rund 612.000 Euro bei. Die restlichen Kosten tragen die L\u00e4nder selbst.<\/p>\n<p>Informationen: <a href=\"http:\/\/www.tiefenschaerfe-bodensee.info\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.tiefenschaerfe-bodensee.info<\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_1304\" style=\"width: 610px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-1304\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.schechler.com\/see-infos\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/TSB_2013-007.jpg\" alt=\"Forschungsschiff Kormoran 004 Die Messdaten werden schon an Bord kontinuierlich vorprozessiert. Bildnachweis: Lorth Gessler Mittelstaedt\" width=\"600\" height=\"400\" class=\"size-full wp-image-1304\" srcset=\"http:\/\/see-infos.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/TSB_2013-007.jpg 600w, http:\/\/see-infos.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/TSB_2013-007-300x200.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><p id=\"caption-attachment-1304\" class=\"wp-caption-text\">Forschungsschiff Kormoran 004<br \/>Die Messdaten werden schon an Bord kontinuierlich vorprozessiert.<br \/>Bildnachweis: Lorth Gessler Mittelstaedt<\/p><\/div>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1292 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1292')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1292').socialSharePrivacy({\"services\":{\"twitter\":{\"reply_to\":\"\",\"tweet_text\":\"Die%20Neuvermessung%20des%20Bodensees%20%C2%BB%20See-Infos.de%20%23Technik\",\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Twitter senden. 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